Frau nimmt Pille danach ein
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Pille danach (Notfallverhütung) – Funktion, Anwendung und Kosten

Die Pille danach ist eine Methode der Notfallverhütung. Bei richtiger Anwendung und Einnahme vor dem Eisprung kann sie eine ungewollte Schwangerschaft verhindern. Wie und wann die Pille danach wirkt, welche Nebenwirkungen auftreten können und was bei der Einnahme zu beachten ist, erfahren Sie im folgenden Artikel.

Zusammenfassung

Factbox – die Pille danach

Pille danach: Methode der Notfallverhütung zur Verhinderung einer Schwangerschaft (keine Abtreibungspille)

Wirkstoffe: 2 unterschiedliche Typen der Pille danach: Eine enthält das Hormon Levonorgestrel (LNG). Diese wirkt bis zu 72 Stunden/drei Tage nach dem Sex. Die andere enthält den Wirkstoff Ulipristalacetat. Dieser wirkt bis zu 120 Stunden/fünf Tage nach dem Sex

Wirkungsweise: Die Pille danach verzögert den Eisprung und wirkt nur, wenn sie vor dessen Eintreten eingenommen wird.

Mögliche Nebenwirkungen: u.a. Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit, Schmerzen im Unterleib, verzögerte und stärkere Regelblutung

Ist zusätzliche Verhütung nach der Einnahme notwendig? Ja – bei Geschlechtsverkehr zu einem späteren Zeitpunkt im Zyklus muss zusätzlich verhütet werden. Die Pille danach schützt nicht vor sexuell übertragbaren Krankheiten.

Ist die Pille danach als dauerhafte Verhütungsmethode geeignet? Nein.

Erhältlich: Rezeptfrei in Apotheken

Kosten: Die „Pille danach“ mit Levonorgestrel kostet etwa 13 Euro, mit Ulipristalacetat rund 32 Euro. *Angaben ohne Gewähr

Was ist die Pille danach?

Die Einnahme der Pille danach soll eine ungewollte Schwangerschaft verhindern. Durch die Einnahme wird der Eisprung verzögert, sodass es zu keiner Befruchtung und folglich zu keiner Schwangerschaft kommt. Die Pille danach ist also keine Abtreibungspille und nicht mit einem Schwangerschaftsabbruch gleichzusetzen.

Es stehen zwei verschiedene Wirkstoffe zur Verfügung: Levonorgestrel und Ulipristalacetat. Beide sollten so schnell wie möglich nach dem ungeschützten Geschlechtsverkehr eingenommen werden. Die Pille danach ist keine Methode zur Langzeitverhütung, sondern eine Maßnahme für den Notfall. Eine weitere Möglichkeit der Notfallverhütung ist die Spirale danach, die von einem Arzt oder einer Ärztin eingesetzt werden muss.

Welche Wirkstoffe gibt es und wie unterscheiden sie sich?

Die Pille danach enthält entweder den Wirkstoff Levonorgestrel oder Ulipristalacetat. Beide beeinflussen den Hormonhaushalt und verschieben den Eisprung.

Levonorgestrel ist ein synthetisches Hormon aus der Gruppe der Gestagene. Die Pille danach mit dem Wirkstoff Levonorgestrel hemmt die Produktion des luteinisierenden Hormons (LH) und des follikelstimulierenden Hormons (FSH). Beide Hormone sind an der Regulation des weiblichen Menstruationszyklus beteiligt. Dadurch werden die Follikelreifung und der Eisprung verzögert.

Wichtig: Levonorgestrel kann nur bis etwa zwei Tage vor dem Eisprung angewendet werden. Kurz vor dem Eisprung steigt die LH-Konzentration stark an, Levonorgestrel kann den Eisprung dann nicht mehr aufhalten.

Auch der Wirkstoff Ulipristalacetat führt zu einer Hemmung von LH und FSH. Ulipristalacetat kann den Eisprung aber noch aufhalten, wenn der LH-Spiegel bereits gestiegen ist.

Um eine Schwangerschaft zu verhindern, sollten beide Präparate so bald wie möglich nach dem Geschlechtsverkehr eingenommen werden, am besten innerhalb der ersten 12 Stunden.

Die Einnahme von Präparaten mit Levonorgestrel kann bis zu spätestens 72 Stunden (drei Tage) nach dem ungeschützten Geschlechtsverkehr noch eine Wirkung zeigen, eine Einnahme von Ulipristalacetat bis maximal 120 Stunden (fünf Tage) danach.

Ulipristalacetat beeinflusst die Wirkung von Progesteron – einem Hormon, das nach dem Eisprung und während einer Schwangerschaft eine wichtige Rolle spielt. Studien der letzten vier Jahre zeigen, dass Ulipristalacetat nicht nur den Eisprung verzögert, sondern auch den Aufbau der Gebärmutterschleimhaut und die Vorgänge im Eileiter beeinflusst. Diese Effekte sind jedoch bei einmaliger Einnahme nur gering.

Welche Nebenwirkungen können vorkommen?

Die Pille danach hat keine bekannten Langzeitfolgen und demnach keine Auswirkungen auf die generelle Fruchtbarkeit.

Zu den möglichen Nebenwirkungen gehören:

Außerdem kann die nachfolgende Regelblutung unregelmäßig und stärker als üblich ausfallen. Bei starken Blutungen, starken Schmerzen und/oder anderen schweren Nebenwirkungen sollte eine Gynäkologin oder ein Gynäkologe aufgesucht werden.

Wie wird die Pille danach richtig angewendet?

Die Pille danach wirkt nur, wenn sie vor dem Eisprung eingenommen wird. Hat der Eisprung bereits stattgefunden, kann es trotzdem zu einer Schwangerschaft kommen. Die Notfallverhütung hat dann keine Wirkung.

Allerdings besteht kein Grund zur Panik, wenn die Pille danach nicht innerhalb der ersten Stunden nach dem ungeschützten Geschlechtsverkehr eingenommen werden kann. Am besten wird sie innerhalb der ersten Stunden eingenommen. Der Wirkstoff Levonorgestrel wirkt auch noch bis zu 72h nach dem Sex, Ulipristalacetat bis zu 120h danach.

Nach einer Einnahme der Pille danach muss weiterhin zusätzlich verhütet werden. Auch wenn die Pille danach eingenommen wurde, besteht bei ungeschütztem Geschlechtsverkehr noch im selben Zyklus das Risiko für eine Schwangerschaft. Wird mit der Antibabypille verhütet, dann muss bis Zyklusende eine zusätzliche Verhütungsmethode (z. B. Kondom) verwendet werden.

Auch schützt die Pille danach nicht vor sexuell übertragbaren Krankheiten.

Wann macht es Sinn, die Pille danach einzunehmen?

Die Pille danach ist dazu da, eine ungewollte Schwangerschaft zu verhindern, wenn es zu ungeschütztem Geschlechtsverkehr gekommen ist.

Mögliche Situationen, in denen die Einnahme sinnvoll sein kann:

  • Keine Verhütung: Beide Partner haben nicht an Verhütung gedacht.

  • Fehler bei der Einnahme der Antibabypille: Die Pille wurde vergessen oder war durch Durchfall oder Erbrechen möglicherweise unwirksam.

  • Kondom-Panne: Das Kondom ist gerissen, abgerutscht oder vor der Anwendung ist Samenflüssigkeit in die Vagina gelangt.

  • Fehlberechnung bei der Temperatur- oder Kalendermethode: Ungeschützter Sex während der fruchtbaren Tage

  • Sexuelle Gewalt: Nach einer Vergewaltigung

Wann ist die Pille danach nicht geeignet?

Die Pille danach ist nicht in jeder Situation wirksam und ist auch nicht für jede Person geeignet. In folgenden Fällen sollte sie nicht eingenommen werden:

  • Eisprung hat bereits stattgefunden – die Pille danach wirkt dann nicht mehr.

  • Schwangerschaftsverdacht oder bestehende Schwangerschaft.

  • Allergien gegen den Wirkstoff oder andere Bestandteile des Medikaments.

  • Schwere gesundheitliche Probleme, z. B.:

    • Lebererkrankungen,

    • schweres Asthma,

    • bestimmte Verdauungsstörungen (Malabsorptionen).

  • Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten, z. B.:

Da es noch weitere Ausschlusskriterien geben kann, ist es wichtig, sich vor der Einnahme gründlich zu informieren oder sich ärztlich beraten zu lassen. In manchen Fällen kann ein anderer Wirkstoff oder die Spirale danach eine bessere Lösung sein.

Darf die Pille danach auch während der Stillzeit eingenommen werden?

Die Pille danach kann auch während der Stillzeit eingenommen werden. Je nach Wirkstoff gelten jedoch unterschiedliche Empfehlungen:

  • Levonorgestrel: Nach der Einnahme sollte für 8 Stunden nicht gestillt werden.

  • Ulipristalacetat: Eine Stillpause von 1 Woche wird empfohlen.

Hier ist es sinnvoll, sich von einer Ärztin, einem Arzt oder in der Apotheke beraten zu lassen.

Wie viel kostet die Pille danach und wo bekommt man sie?

Die Pille danach ist rezeptfrei in der Apotheke erhältlich. Präparate mit dem Wirkstoff Levonorgestrel kosten etwa 14,00 Euro, das Präparat mit dem Wirkstoff Ulipristalacetat kostet etwa 32,00 Euro*.

*Angaben ohne Gewähr

FAQ

Die Pille danach verzögert den Eisprung durch die Wirkstoffe Levonorgestrel oder Ulipristalacetat.

  • Levonorgestrel wirkt bis zu 72 Stunden (3 Tage) nach dem Geschlechtsverkehr.
  • Ulipristalacetat wirkt bis zu 120 Stunden (5 Tage) und kann den Eisprung auch noch stoppen, wenn der LH-Spiegel bereits erhöht ist.

Die Pille danach wirkt nur vor dem Eisprung. Ist dieser bereits erfolgt, kann sie eine Schwangerschaft nicht verhindern.

  • Sie sollte so schnell wie möglich, idealerweise innerhalb von 12 Stunden, eingenommen werden. Dazu wird am besten ein Glas Wasser getrunken.
  • Levonorgestrel wirkt bis zu 72 Stunden, Ulipristalacetat bis zu 120 Stunden nach dem Geschlechtsverkehr.

Nach der Einnahme ist zusätzliche Verhütung nötig. Wer die Antibabypille nimmt, muss bis zum Zyklusende zusätzlich verhüten. Die Pille danach schützt nicht vor sexuell übertragbaren Krankheiten.

Die Wirksamkeit hängt vom Einnahmezeitpunkt ab. Je früher sie eingenommen wird, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, eine Schwangerschaft zu verhindern.

Ja, in Deutschland, Österreich und vielen anderen Ländern ist die Pille danach rezeptfrei in der Apotheke erhältlich.

Ob die Pille danach gewirkt hat, zeigt sich meist daran, dass die nächste Periode zum erwarteten Zeitpunkt oder mit leichter Verzögerung eintritt. Bleibt die Regel länger als 5–7 Tage aus, sollte ein Schwangerschaftstest gemacht werden.

Nein. Der Konsum von Alkohol vor oder nach der Einnahme der Pille danach hat keine Auswirkung auf die Wirksamkeit. Nur, wenn es wenige Stunden nach der Einnahme zum Erbrechen gekommen ist, muss die Einnahme wiederholt werden.

Die Pille danach hat keine bekannten Langzeitfolgen und beeinflusst die generelle Fruchtbarkeit nicht.

Mögliche Nebenwirkungen:

  • Kopfschmerzen, Schwindel, Müdigkeit
  • Übelkeit, Unterleibsschmerzen
  • Unregelmäßige oder stärkere Regelblutung

Bei starken Schmerzen, starken Blutungen oder anderen schweren Beschwerden sollte ein Frauenarzt oder eine Frauenärztin aufgesucht werden.

  • Autor

    Katharina Miedzinska, MSc

    Medizinjournalistin

    Katharina Miedzinska-Baran ist eine freie Medizinjournalistin, Biologin und Diätologin mit umfangreicher Expertise in der Erstellung medizinischer Inhalte sowie großem Interesse an Gesundheitsthemen.

  • Co-Autor

    Julia Amtmann

    Julia Amtmann hat einen Abschluss in Biologie und langjährige Erfahrung im Journalismus. Bei DocFinder verbindet sie diese beiden Schwerpunkte durch das Überprüfen und Verfassen von Texten mit naturwissenschaftlichem Fokus.

Richter-Kuhlmann E.; Pille danach: Die neue Freiheit, Medizin Studieren 01/2015:22, Deutscher Ärzteverlag GmbH

Bas H.; Kontrazeption im steten Wandel – Noch fehlen optimale Verhütungsmethoden für junge Frauen, Frauen mit chronischen Krankheiten und für Männer, Congress Selection 09/2014, Rosenfluh Publikationen AG

Merki-Feld G.S.; Notfallkontrazeption – Neues zu Medikation, Anwendung und Beratung, Gynäkologie 05/2014, Rosenfluh Publikationen AG

Munkhambwa E.; Hoher Aufklärungsbedarf bei der Notfallkontrazeption, Apotheker Krone 04/2013, Ärztekrone VerlagsgesmbH

Dörfler D.; Aktuelle Optionen und Checklisten für die Beratung – Notfallverhütung – wann doch ärztliche Konsultation?, Gyn-Aktiv 03/2011, MedMedia Verlag und Mediaservice GmbH

Lex P.; Abriss zu aktuellen Optionen – Notfallkontrazeption in Österreich, Gyn-Aktiv 01/2011, MedMedia Verlag und Mediaservice GmbH

Does ulipristal acetate emergency contraception (ella®) interfere with implantation? https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0010782419303683#preview-section-abstract, Abruf Februar 2025

Emergency contraception – A narrative review of literature. https://www.ejog.org/article/S0301-2115(24)00303-8/fulltext, Abruf Februar 2025

Mechanisms involved in the contraceptive effects of ulipristal acetate. https://rep.bioscientifica.com/view/journals/rep/159/3/REP-19-0355.xml, Abruf Februar 2025

Ulipristal acetat. https://www.gelbe-liste.de/wirkstoffe/Ulipristal-acetat_50732, Abruf Februar 2025

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