Skip to main content
Text mit lauter Fragezeichen
Foto:EvtushkovaOlga/Shutterstock

Neues Legasthenie-Gen identifiziert

Genetische Einflüsse spielen eine große Rolle bei der Entstehung einer Lese- und Rechtschreibstörung (Legasthenie). Ein internationales Team von Wissenschaftlern hat jetzt ein weiteres Gen identifiziert, das in diesen Prozess involviert ist. Betroffene Kinder leiden häufig unter Ausgrenzung und Stigmatisierung, etwa 40% von ihnen erkranken psychisch.

„Dabei haben molekulargenetische Untersuchungen schon längst gezeigt, dass genetische Einflüsse   eine wichtige Rolle bei der Entstehung einer Legasthenie spielen“, so Humangenetiker (und Legastheniker) Tiemo Grimm, Universität Würzburg. „Ist ein Kind in der Familie von einer Legasthenie betroffen, so sind in gut 40 Prozent der Fälle auch Geschwister oder ein Elternteil betroffen“. Bisher sind über 20 verschiedene Gene bzw. Genorte bekannt, die eine Rolle bei der Entstehung einer Legasthenie spielen. 

Wissenschaftler haben diese Liste jetzt um einen weiteren Eintrag verlängert. In einer gut dokumentierten Familie, in der über vier Generationen hinweg Legasthenie auftritt, haben sie einen neuen Genort nachgewiesen. „Bei den Betroffenen dieser Familie wurde eine spezifische Nukleotidvariante in einer Sequenz des SPRY1-Gens gefunden, einem Gen, welches im Gehirn exprimiert wird“, so Grimm. Diese Sequenzveränderung könnte die Expression des SPRY1-Genproduktes beeinflussen.
Auch wenn sich daraus keine direkte Konsequenz oder eine Therapie der Legasthenie ergibt, liefert die Entdeckung ein neues Puzzlestückchen für das Gesamtbild der Vorgänge im Gehirn. „Die Legasthenie entsteht in engem Zusammenhang mit der biologischen Reifung des zentralen Nervensystems, wobei Besonderheiten der auditiven und der visuellen Informationsverarbeitung sowie wahrscheinlich auch der zeitlichen Vorgänge im zentralen Nervensystem eine Rolle spielen“, so Grimm.

Referenzen: JMU Würzburg, Universitätsklinik Würzburg
A Novel Locus and Candidate Gene for Familial Developmental Dyslexia on Chromosome 4q, Zeitschrift für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie (2020), 48:478-489; https://doi.org/10.1024/1422-4917/a000758

#legasthenie #rechtschreibschwäche #gehirn #leseschwäche #medizin #dyslexie #neurologie

  • Autor

    Dr. Rosalia Rutter

    Medizinjournalistin

    Dr. Rosalia Rutter ist eine freie Medizinjournalistin mit einem Studium der Ernährungswissenschaften und Biochemie an der Universität Wien. Sie verfügt über langjährige Expertise im Verfassen medizinischer Inhalte.

Zum Artikel: Frau in Sportkleidung mit gesunder Frühstücksbowl mit Obst

Immunsystem stärken: 5 bewährte Maßnahmen

Warum werden manche Menschen scheinbar ständig krank, während andere gut durch die Erkältungssaison kommen? Schnell fällt der Verdacht auf ein „schwaches Immunsystem“. Doch was bedeutet das eigentlich und lässt sich die Abwehr gezielt stärken?

Zum Artikel: Bronchitis: Diese Hausmittel helfen Kindern und Erwachsenen

Bronchitis: Diese Hausmittel helfen Kindern und Erwachsenen

Husten, ein kratziges Gefühl in der Brust und das Gefühl, „es sitzt etwas fest“: Eine akute Bronchitis beginnt oft im Rahmen einer Erkältung. In vielen Fällen lässt sich der Verlauf mit einfachen Maßnahmen gut unterstützen.

Zum Artikel: Frau mit Schnupfen während dem Radfahren

Sport bei Erkältung: Wann es okay ist und wann Sie pausieren sollten

Sie sind erkältet und fragen sich, ob Training hilft oder schadet. Pauschal lässt sich das nicht beantworten, denn nicht jede Erkältung verläuft gleich: Ein leichter Schnupfen ist etwas anderes als ein Infekt mit starkem Krankheitsgefühl.

Zum Artikel: Frau hält Tee mit Zitrone

Halsschmerzen: Diese Hausmittel beruhigen den Hals

Es fängt oft harmlos an: ein Kratzen im Hals, das beim Schlucken plötzlich deutlich unangenehmer wird. Meist steckt ein harmloser Virusinfekt dahinter und die Symptome lassen sich mit einfachen Maßnahmen gut lindern.