Zusammenfassung
In-vitro-Fertilisation (IVF)
Definition: medizinisches Verfahren, bei dem die Befruchtung der Eizelle außerhalb des weiblichen Körpers stattfindet
Arten: klassische IVF: Eizellen und Spermien werden in einer Petrischale zusammengebracht, um eine natürliche Befruchtung zu ermöglichen. ICSI: Ein einzelnes Spermium wird direkt in die Eizelle injiziert.
Gründe für IVF: Tubare Sterilität, eingeschränkte männliche Fruchtbarkeit, Endometriose, Polyzystisches Ovarialsyndrom (PCOS), Idiopathische Unfruchtbarkeit
Ablauf: Vorbereitungsphase, Stimulation der Eierstöcke, Eizellentnahme, Befruchtung, Embryokultur, Embryotransfer, Schwangerschaftstest
Erfolgschancen: pro Behandlungszyklus durchschnittlich 15 bis 30 Prozent Geburtenrate
Mögliche Risiken: Überstimulationssyndrom, Komplikationen bei der Eizellentnahme, Mehrlingsschwangerschaften, Eileiterschwangerschaften, Fehlgeburten, Frühgeburten, psychische Belastung
Was ist IVF (In-vitro-Fertilisation)?
IVF steht für In-vitro-Fertilisation. Das bedeutet wörtlich Befruchtung im Glas. Dabei handelt es sich um ein medizinisches Verfahren, bei dem die Befruchtung der Eizelle außerhalb des weiblichen Körpers erfolgt. Dieses Verfahren wird auch als künstliche Befruchtung bezeichnet.
Dafür werden reife Eizellen aus dem Eierstock entnommen und anschließend im Labor mit Spermien des Partners oder eines Spenders zusammengebracht. Die befruchteten Eizellen werden anschließend einige Tage im Labor kultiviert. Danach setzt man sie in die Gebärmutter der Frau ein, wo sich der Embryo weiterentwickeln kann.
Es gibt zwei Varianten der Methode:
- Klassische IVF: Eizellen und Spermien werden in einer Petrischale zusammengebracht, um eine natürliche Befruchtung zu ermöglichen.
- ICSI (Intrazytoplasmatische Spermieninjektion): Ein einzelnes Spermium wird direkt in die Eizelle injiziert.
Nach einigen Wochen kann ein Schwangerschaftstest zeigen, ob die Behandlung erfolgreich war. Vor Beginn einer IVF-Behandlung erfolgt meist eine Hormontherapie. Diese regt die Eierstöcke an, mehrere befruchtungsfähige Eizellen zu produzieren.
Für wen ist die IVF-Behandlung eine Option?
Eine IVF-Behandlung ist eine gute Möglichkeit für Paare, die sich ein Kind wünschen und bei denen dies auf natürlichem Weg trotz längerer Versuche nicht geklappt hat. Ebenso kann die IVF eingesetzt werden, wenn vorangegangene Kinderwunschbehandlungen wie etwa die Intrauterine Insemination (IUI) erfolglos waren, oder wenn sich homosexuelle Paare ein Kind wünschen.
Was sind die möglichen Ursachen für eine IVF-Behandlung
Eine IVF-Behandlung wird in der Regel bei medizinischen Ursachen für Unfruchtbarkeit in Betracht gezogen. Die häufigsten Gründe sind:
- Tubare Sterilität: Erkrankungen oder Schäden an den Eileitern, wie Verschlüsse, Verwachsungen, die eine natürliche Befruchtung verhindern
- Eingeschränkte männliche Fruchtbarkeit: Zum Beispiel eine geringe Spermienanzahl, schlechte Beweglichkeit oder eine schlechte Spermienqualität.
- Endometriose: Diese Unterleibserkrankung kann die Fruchtbarkeit bei Frauen beeinträchtigen, indem sie die Funktion der Eierstöcke, Eileiter und Gebärmutter stört
- Polyzystisches Ovarialsyndrom (PCOS): Eine hormonelle Störung, die den Eisprung beeinträchtigen und zu einem unregelmäßigen Zyklus führen kann.
- Idiopathische Unfruchtbarkeit: Darunter versteht man eine Unfruchtbarkeit, deren Ursachen nicht geklärt werden konnten.
IVF: Wie ist der Ablauf?
Eine IVF-Behandlung erfolgt in mehreren Schritten:
- Stimulation der Eierstöcke: Die Frau erhält in der Regel Hormone, damit mehrere Eizellen heranreifen. Normalerweise reift nur eine pro Zyklus.
- Eizellentnahme: Die reifen Eizellen werden in einem kurzen, chirurgischen Eingriff aus dem Eierstock entnommen.
- Befruchtung: Im Labor werden die Eizellen mit den Spermien des Partners oder eines Spenders zusammengebracht.
- Embryokultur: Die befruchteten Eizellen – jetzt Embryonen – wachsen einige Tage im Labor heran.
- Embryotransfer: Ein oder mehrere Embryonen werden in die Gebärmutter eingesetzt.
- Schwangerschaftstest: Nach etwa zwei Wochen zeigt ein Test, ob die Behandlung erfolgreich war.

Wie lange dauert eine IVF-Behandlung?
Die Dauer einer IVF-Behandlung kann unterschiedlich sein. Meist dauert sie zwischen vier und sechs Wochen.
Rechnen Sie mit folgenden Phasen:
- Vorbereitungsphase: Hier erfolgen ärztliche Untersuchungen, Beratungsgespräche und gegebenenfalls Vorbehandlungen. Die Dauer ist individuell verschieden.
- Stimulationsphase (ca. 10–14 Tage): Die Frau erhält in der Regel eine hormonelle Behandlung zur Stimulation der Eierstöcke, damit mehrere Eizellen heranreifen. Außerdem werden regelmäßige Ultraschalluntersuchungen und Bluttests zur Überwachung durchgeführt.
- Eizellentnahme (1 Tag): Jetzt findet ein kurzer ambulanter Eingriff unter Narkose zur Entnahme der reifen Eizellen statt.
- Befruchtung und Embryokultur (ca. 3–5 Tage): Nun werden die Eizellen im Labor befruchtet und anschließend kultiviert.
- Embryotransfer (1 Tag): In dieser Phase erfolgt das Einsetzen des oder der ausgewählten Embryonen in die Gebärmutter.
- Lutealphase und Schwangerschaftstest (ca. 14 Tage): Die Einnistung wird mit Hormonen unterstützt. Zwei Wochen nach dem Transfer zeigt ein Schwangerschaftstest, ob die Behandlung erfolgreich war.
IVF: Wie hoch sind die Chancen auf Erfolg?
Die Erfolgsrate einer IVF-Behandlung hängt von verschiedenen Faktoren ab, insbesondere vom Alter der Frau und des Mannes, der Qualität der Eizellen und Spermien sowie individuellen Lebensstilfaktoren.
Hier sind die wichtigsten Punkte zusammengefasst:
- Alter der Frau und des Mannes: Mit zunehmendem Alter sinkt nämlich die Qualität der Eizellen und der Samenzellen, was die Wahrscheinlichkeit einer Schwangerschaft verringert. (Frauen unter 35 Jahren haben in der Regel die höchsten Erfolgsraten.)
- Lebensstil: Faktoren wie Ernährung, Bewegung und Stressmanagement können die Erfolgsrate positiv beeinflussen. Rauchen und Übergewicht wirken sich hingegen negativ aus
- Erfahrung der Kinderwunschklinik: Die Erfahrung des medizinischen Teams und die technische Ausstattung der Klinik spielen eine entscheidende Rolle.
Wichtig: Auch wenn die Schwangerschaft eintritt, verläuft nicht jede problemlos und dass auch Fehlgeburten möglich sind. Im Durchschnitt liegt die Geburtenrate pro IVF-Zyklus bei 15 bis 30 Prozent. Diese Zahlen sind Richtwerte. Ihre individuelle Situation sollten Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt besprechen.
Was sind die möglichen Risiken einer In-vitro-Fertilisation?
Eine In-vitro-Fertilisation (IVF) ist ein komplexes Verfahren, das mit verschiedenen Risiken verbunden sein kann. Dazu zählen:
- Überstimulationssyndrom (Ovarian Hyper Stimulation Syndrome OHSS): In seltenen Fällen reagieren die Eierstöcke übermäßig auf die Hormonbehandlung. Mögliche Symptome sind: Bauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Atemnot und Flüssigkeit im Bauchraum.
- Komplikationen bei der Eizellentnahme: Selten kann es bei der Eizellentnahme zu Blutungen, Schmerzen oder Infektionen kommen. Wird mehr als ein Embryo eingesetzt, steigt das Risiko für eine Mehrlingsschwangerschaft. Auch eine Eileiterschwangerschaft ist möglich. Dabei nistet sich der Embryo nicht in der Gebärmutter, sondern im Eileiter ein. Das ist ein medizinischer Notfall und muss sofort behandelt werden.
- Fehlgeburt: Das Risiko einer Fehlgeburt ist nach einer IVF-Behandlung etwas höher als bei einer natürlichen Schwangerschaft und steigt mit dem Alter der Frau.
- Frühgeburt: Es besteht ein leicht erhöhtes Risiko für Frühgeburten.
- Psychische Belastung: Eine IVF-Behandlung kann emotional belastend sein, insbesondere wenn mehrere Zyklen erfolglos bleiben.
Wie hoch sind die Kosten für eine IVF?
Die Kosten für eine IVF-Behandlung können je nach Klinik unterschiedlich ausfallen. In öffentlichen Krankenanstalten in Österreich betragen die Tarife für einen Versuch einschließlich Medikamentenkosten derzeit:
IVF-Behandlung:
- Frauen unter 35 Jahren: € 2.648,30
- Frauen zwischen 35 und 40 Jahren: € 2.826,42
ICSI-Behandlung (Spezialform der IVF):
- Frauen unter 35 Jahren: € 2.939,48
- Frauen zwischen 35 und 40 Jahren: € 3.117,60
Unter bestimmten Voraussetzungen übernimmt der IVF-Fonds bis zu 70 Prozent der Kosten für IVF oder ICSI.
Was ist der IVF-Fonds?
Seit dem 1. Jänner 2000 gibt es in Österreich den IVF-Fonds. Er ist beim Bundesministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Konsumentenschutz angesiedelt. Der Fonds übernimmt 70 Prozent der Behandlungskosten, wenn bestimmte Voraussetzungen erfüllt sind.
Folgende Bedingungen müssen erfüllt sein:
- Alter der Frau: nicht älter als 40 Jahre
- Alter des Partners: nicht älter als 50 Jahre
- Beziehungsform: Ehe oder eheähnliche Lebensgemeinschaft
- Staatsbürgerschaft:
- österreichisch oder
- EU-/EWR-Staatsangehörigkeit oder
- Schweizer Staatsbürgerschaft oder
- unbefristeter Aufenthaltstitel, ausgestellt von einer österreichischen Behörde
- Krankenversicherung: Nachweis einer gesetzlichen oder privaten Krankenversicherung
- Medizinische Gründe:
- funktionsuntüchtige Eileiter
- Endometriose oder PCOS
- Sterilität beim Mann
Weiterführende, detaillierte Informationen über den IVF-Fonds und Ihre Anspruchsvoraussetzungen erhalten Sie in der Broschüre „Wir möchten ein Baby“, erhältlich beim Bundesministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Konsumentenschutz oder unter: https://www.sozialministerium.at/Themen/Gesundheit/Eltern-und-Kind/IVF-Fonds.html
Wie viele Versuche bezahlt der IVF-Fond?
Der IVF-Fonds übernimmt die Kosten (70%) für maximal vier Versuche pro Paar.
Ein Versuch umfasst den gesamten Behandlungszyklus – von Beginn der Behandlung im IVF-Zentrum bis zum Ergebnis:
- entweder eine eingetretene Schwangerschaft
- oder ein negativer Schwangerschaftstest
Welche alternativen Möglichkeiten zur künstlichen Befruchtung gibt es noch?
Neben der IVF gibt es noch weitere Kinderwunschbehandlungen, die Paaren helfen können. Dazu gehören:
- Intrauterine Insemination (IUI): Dabei werden aufbereitete Samenzellen direkt in die Gebärmutter der Frau eingebracht.
- Intrazervikale Insemination (ICI): Bei dieser Methode wird der Samen in den Gebärmutterhals (Zervix) eingebracht.
- Intratubare Insemination (ITI): Hier werden die Samenzellen direkt in die Eileiter eingebracht.
- Intrazytoplasmatische Spermieninjektion (ICSI): Das ist eine spezielle Form der IVF, bei der ein einzelnes Spermium im Labor direkt in eine Eizelle injiziert wird, damit diese befruchtet wird.
- Testikuläre Spermienextraktion (TESE): Das ist die Spermiengewinnung durch eine Biopsie des Hodens. Die Methode wird angewendet, wenn keine ausreichende Menge an Samenzellen vorhanden ist. Wurde dadurch ein Ei befruchtet, wird die entsprechende Zelle nach ein paar Tagen von Arzt oder Ärztin in die Gebärmutter eingesetzt.
- Mikrochirurgische epididymale Spermienaspiration (MESA): Das ist die Spermiengewinnung durch Biopsie der Nebenhoden. Auch diese Methode wird angewendet, wenn keine ausreichende Menge an Samenzellen vorhanden ist und erfordert das Einsetzen der befruchteten Zelle in die Gebärmutter durch Arzt oder Ärztin.
FAQ
Ja, bei einer In-vitro-Fertilisation ist fast immer eine Hormonbehandlung erforderlich. Dabei werden die Eierstöcke gezielt stimuliert, damit mehrere Eibläschen gleichzeitig heranreifen. So steigt die Chance, mehrere befruchtungsfähige Eizellen zu gewinnen.
Die Behandlung wird ärztlich überwacht. In seltenen Fällen kann es zu einer Überstimulation der Eierstöcke kommen. Das kann Beschwerden wie Bauchschmerzen, Übelkeit oder Wassereinlagerungen verursachen und muss ernst genommen werden.
Bei einer klassischen IVF-Behandlung werden Ei- und Samenzellen in einer Petrischale zusammengebracht, um eine Befruchtung auszulösen.
Die ICSI-Behandlung (Intrazytoplasmatische Spermieninjektion) ist eine spezielle Form der IVF. Dabei wird ein einzelnes Spermium direkt in eine Eizelle injiziert, um die Befruchtung gezielt auszulösen. Sobald sich ein Embryo entwickelt hat, wird er – wie bei der klassischen IVF – in die Gebärmutter eingesetzt.
Wann wird welche Methode angewendet?
- ICSI: bei männlicher Unfruchtbarkeit, z. B. bei zu wenigen oder unbeweglichen Spermien
- IVF: bei weiblichen Ursachen oder bei ungeklärter Unfruchtbarkeit
Grundsätzlich ist eine Geschlechtsbestimmung bei IVF technisch möglich. In vielen Ländern ist das jedoch gesetzlich verboten – oder nur in Ausnahmefällen erlaubt. In Österreich darf das Geschlecht nur bestimmt werden, wenn dadurch eine schwere, geschlechtsgebundene Erbkrankheit verhindert werden kann. Ein Beispiel dafür ist die Muskeldystrophie, die fast nur bei Jungen auftrit
Normalerweise werden ein bis zwei Embryonen unter Ultraschallsicht in die Gebärmutter transferiert. Die Anzahl der transferierten Embryonen ist abhängig vom Alter und der Vorgeschichte der Frau. Bei jüngeren Frauen mit guter Prognose wird oft der Transfer eines einzelnen Embryos (Single-Embryo-Transfer) empfohlen, insbesondere bei den ersten Versuchen. Denn das minimiert das Risiko von Mehrlingsschwangerschaften.
Die IVF-Behandlung ist in der Regel nicht schmerzhaft. Sehr selten kann es aber zu Komplikationen kommen – etwa wenn sich bei der Eizell-Entnahme eine bakterielle Infektion entwickelt oder wenn es bei Eingriffen zur Gewinnung von Samenzellen aus den Hoden oder Nebenhoden zu Verletzungen kommt. Zu beachten ist auch das Überstimulationssyndrom, das im Krankenhaus behandelt werden muss.
Bei einer IVF-Behandlung können mehr Embryonen entstehen, als für den Transfer in die Gebärmutter benötigt werden. Was mit diesen überschüssigen Embryonen geschieht, hängt von den Wünschen des Paares und den gesetzlichen Bestimmungen des jeweiligen Landes ab. Die häufigste Option ist das Einfrieren der überschüssigen Embryonen in flüssigem Stickstoff (Kryokonservierung). Diese können dann in einem späteren Zyklus aufgetaut und transferiert werden, falls der erste Versuch nicht erfolgreich war oder das Paar sich ein weiteres Kind wünscht.
Lasch, L et al: Basiswissen Gynäkologie und Geburtshilfe, Springer Berlin Heidelberg 2017.
Bundesministerium für Arbeit, Soziales,Gesundheit und Konsumentenschutz (BMASGK): Wir möchten ein Baby. Information über Kostenübernahme für medizinisch unterstützte Fortpflanzung durch den IVF-Fonds. Broschüre, Wien.
Kern R: IVF-Register. Jahresbericht 2023, Gesundheit Österreich, Wien 2024
https://www.g-ba.de/themen/methodenbewertung/kuenstliche-befruchtung/methoden/, Abruf März 2025
http://www.ivf-gesellschaft.at/index.php?id=100, Abruf März 2025